Vom Suchen und Finden und Finden lassen

melanie_portraitIn Jeremia 29, 13-14 steht „Wenn ihr mich sucht, werdet ihr mich finden; ja, wenn ihr ernsthaft, mit ganzem Herzen nach mit verlangt, werde ich mich von euch finden lassen.“
Als ich kleiner war, lag ich öfter in meinem Bett und betete: „Gott, wenn es dich wirklich gibt, dann zeig dich mir doch! Dann lass doch bitte genau JETZT mein Licht kurz flackern oder so, dann weiß ich auch, dass es dich wirklich gibt.“ Aber das ist nie passiert. Das ist sogar gut so, denn wäre es wirklich passiert, hätte ich mich wahrscheinlich so sehr gegruselt, ich hätte mein Zimmer nie wieder freiwillig betreten. Als Schlussfolgerung zu Gottes Verschwiegenheit dachte ich mir, dass Gott so halt nicht funktioniert, dass ich irgendetwas falsch mache oder er viel zu beschäftigt ist und sich um so Kleinigkeiten, wie mich, einfach nicht kümmern kann. Das es ihn gibt war mir damals klar, denn erstens hat Papa das gesagt und der weiß meistens alles. Und zweitens konnten die Dinge um mich herum nicht einfach so entstanden sein und Affen waren einfach viel zu doof, von denen konnte ich niemals abstammen.

Je älter ich wurde, desto mehr zog die Welt mich an und Gott geriet in Vergessenheit. Mir schien, als interessiere er sich wahrscheinlich eh nicht für mich und ob es ihn überhaupt noch gibt, dass wusste ich auch nicht mehr so genau. Als Baby wurde ich in der evangelischen Kirche getauft. Und mit 14 Jahren ist die Konfirmation so das Übliche. Während viele meiner Freunde die große Konfirmationsfeier und die tollen und zahlreichen Geldgeschenke kaum abwarten konnten, erhoffte ich mir hier vielleicht Antworten auf die vielen Fragen, die ich über Gott hatte. Aber der Gott, der mir hier gezeigt wurde, war gar nicht so persönlich. Und dann gabs da auch noch Jesus? Was hat denn der eigentlich gemacht? Klar, Gottes Sohn und so…aber warum ist der dann eigentlich gestorben?

Selbst das Jesus nicht ein einziges Mal gesündigt hatte, wusste ich damals nicht. Das Bild von Gott, Jesus und der sowieso viel zu alten Bibel verschwammen immer mehr. Aber Gottes Plan ist nicht mein Plan. Und Gottes Timing nicht meins. Gott verspricht, dass er sich finden lässt, wenn wir ihn nur mit ganzem Herzen suchen. Und er hält seine Versprechen. Doch ich wollte ihn eigentlich gar nicht mehr so genau finden. Aber Gott, der wahre, liebende lebendige Gott, der so anders ist, als das Bild, das ich von ihm hatte, wollte mich finden und meine Aufmerksamkeit bekommen. In Offenbarung 3,20 steht: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand mich rufen hört und die Tür öffnet, werde ich eintreten.“
Jesus stand vor der Tür meines Herzens und klopfte. Aber ich hörte das klopfen nicht. Doch Gott hatte einen Plan.

Gegen Ende des Jahres 2008 unterschied ich mich, ein Jahr in den USA zu verbringen und dort, als Schülerin einer High School das amerikanische Leben für mich zu entdecken. Im Februar 2009 bekam ich auch schon überraschend früh einen Brief mit Informationen zu meiner Gastfamilie. Diese erschien mir von Anfang an sehr sympathisch, doch las ich dann die Frage: „Erwarten Sie von ihrem Austauschschüler, dass er mit ihnen den Gottesdienst besucht?“ Und sah ein dickes „Yes“ umkringelt und da wurde mir schon etwas mulmig. Doch auf das bisschen Schlaf am Sonntagmorgen würde ich schon irgendwie verzichten können. Am 12. August 2009 kam ich in den USA an und verstand mich sofort blendend mit meiner Gastfamilie. Sie waren einfach so anders, überschütteten mich von Anfang an mit so viel Liebe und die unzähligen Tritte in viel zu viele Fettnäpfchen waren sofort vergeben und vergessen. Meine Gasteltern leiteten eine Jugendgruppe und es gab doch tatsächlich Jugendliche, die der Predigt meines Gastvaters aufmerksam zuhörten und das alles klang gar nicht mal so langweilig. Und auch im Gottesdienst hatten Leute eine Bibel dabei um darin zu lesen und der Predigt zu folgen?! Für sie alle war der Glaube etwas so wichtiges. Konnte es das auch für mich werden? Und so entschloss ich mich all die Fragen, die ich an Gott, Jesus und die Bibel hatte wieder hervorzukramen und meine Gastmutter in nächtelangen Fragerunden auszuquetschen. Diese Nächte waren immer äußerst emotional und in mir rumorte und bewegte sich etwas von dem ich gar nicht so genau sagen konnte, was es war. Ich hatte mich noch nie zuvor so gefühlt. Ich erfuhr, dass Jesus, obwohl er Gottes Sohn war, zu uns auf die Erde kam, sündenfrei lebte und für unsere Schuld starb! Das auch mir meine Sünden vergeben werden konnten, wenn ich Jesus mein Leben anvertraute. Alles machte auf einmal Sinn. Alles setzte sich wie ein großes Puzzle Stück für Stück zusammen. Es war so echt und Jesus schien mir so nah! Und ich wollte noch mehr Nähe zu Gott und ganz persönlich an ihn ran! Und so entschied ich mich am 12. September 2009, einem Monat nach meiner Ankunft in den USA, auf das Klopfen zu hören und Jesus die Tür zu meinem Herzen zu öffnen. Es war der Anfang eines neuen Lebens. Einem neuen Ich. Alles machte einen Sinn. Ich hatte eine Freude in mir, die ich noch nie zuvor fühlte.

Am 24. Mai 2010 ließ ich mich taufen. Diesmal hatte es eine Bedeutung für mich. Doch das Jahr in den USA neigte sich langsam aber sicher seinem Ende zu. In Deutschland hatte ich noch nie etwas von echten Christen gehört, die wirklich und mit ganzem Herzen glaubten, dass Jesus für uns die Brücke zu Gott ist und wir nur durch ihn das ewige Leben haben können. Je näher mein Abflugdatum rückte, desto schlechter ging es mir, wenn ich daran dachte, dass ich, als Babychrist jetzt nun alles ohne eine Gemeinde stemmen müsste. Doch meine Gastfamilie machte mir Mut und auch Gott wollte einfach nur, dass ich ihm vertraute. Meinen Eltern in Deutschland erzählte ich von meinem „neuen“ Glauben und wie nah mir Jesus nun war. Meinen Papa freute das unglaublich und als ich ihm von meinen Sorgen erzählte, machte er sich auf die Suche nach einer Gemeinde. Er stieß dabei auf die Website von der „Freien Baptisten Gemeinde Mannheim“ und rief mich an, die Seite sei schön bunt und sympathisch. Und tatsächlich war sie bunt. Doch diese Gemeinde hatte noch viel mehr zu bieten. Sie glaubte an Jesus. Meine Gasteltern und ich fingen an für diese Gemeinde zu beten. Mein Vater und ich beschlossen, dort am ersten Sonntag, den ich wieder in Deutschland war, in den Gottesdienst zu gehen. Meine Sorgen wurden weniger, aber ich zweifelte immer noch. Mein USA Aufenthalt war zu Ende und zurück in Deutschland wurde mir schnell klar, dass ich hier eigentlich gar nicht sein wollte. Doch ich wusste, nicht ich mache die Pläne sondern Gott. Und ich musste ihm einfach vertrauen, denn er wusste schon, was er mit mir vorhatte. Auf drängen meines Papas hin, rief ich den Pastor der freien Baptistengemeinde, einen Herrn Rod Kidd einfach mal an. 45min später war mir klar, dass ich dort unbedingt hinwollte. Ich konnte es kaum fassen. Es gab ja wohl doch „echte“ Christen in Deutschland. Und das sogar in Mannheim. Am 13. Juni 2010 saß ich dann also in diesem Gottesdienst Ich konnte Gott nur danken, dass er mich dorthin führte. Ich fühlte mich sofort willkommen und während ich mich so im Raum umsah, dachte ich darüber nach, wie schön es wäre eines morgens hier hereinzukommen, die Leute um mich herum namentlich begrüßen zu können und Freunde zu finden. Völlig utopisch, fand ich diesen Gedanken damals noch. Gott aber nicht.

Denn wenn ich mich jetzt so umschaue, sehe ich Gesichter, die nun so viel Bedeutung bekommen haben. Und ich komme morgens in die Gemeinde und sage: „Hallo, liebe Gesine, Marie, Lindy, Ninn, Janje, Katha Nanni und hallo lieber Rod, Andy, Moritz, Daniel, Thomas, wie geht’s denn so und wie war denn deine Woche?“ Und ich kenne noch so viele Namen mehr und ich habe Freunde gefunden und sehe in ihnen meine große Familie und schätze jeden einzelnen so unglaublich sehr und ihre Liebe und ihr brennendes Herz für Jesus, dass ich gar nicht anders kann, als jeden Sonntag mit dem größten Lächeln aus der Gemeinde zu laufen, um mich schon wieder auf den nächsten Sonntag zu freuen.
Wenn ich zurück schaue, dann kann ich Gott nur danken. Und ich sehe Gottes Fingerabdrücke in meinem Leben und sein Plan hielt Dinge für mich bereit, die ich nie für möglich hielt.
Und hier noch ein Vers, der mir über dieses Jahr so wichtig geworden ist:

Josua 1,9: Ich sage dir: Sei stark und mutig! Hab keine Angst und verzweifle nicht. Denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst.“

Melanie